Retardierte Potenziale

From testwiki
Revision as of 01:28, 29 August 2010 by Schubotz (talk | contribs) (Die Seite wurde neu angelegt: „ <noinclude>{{Scripthinweis|Elektrodynamik|4|2}}</noinclude> <u>'''Aufgabe'''</u> Lösung der inhomogenen Wellengleichungen in Lorentz- Eichung: <math>\begin{al…“)
(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to navigation Jump to search



{{#set:Urheber=Prof. Dr. E. Schöll, PhD|Inhaltstyp=Script|Kapitel=4|Abschnitt=2}} Kategorie:Elektrodynamik __SHOWFACTBOX__


Aufgabe Lösung der inhomogenen Wellengleichungen in Lorentz- Eichung:

#Φ(r¯,t)=ρε0#A¯(r¯,t)=μ0j¯

zu vorgegebenen erzeugenden Quellen ρ(r¯,t),j¯(r¯,t) und Randbedingungen Φ(r¯,t),A¯(r¯,t)0fu¨rr¯

Methode: Greensche Funktion verwenden:

G(r¯r¯ ´,tt ´)

In der Elektrodynamik:

#u(r¯,t)=f(r¯,t)

mit

u(r¯,t):=Φ(r¯,t),A¯(r¯,t)f(r¯,t)=ρε0,μ0j¯

Fourier- Trafo:

#̂1:=Ĝû(k¯,ω)=Ĝf̂(k¯,ω)

Rück- Trafo: es folgt schließlich:

u(r¯,t)=R3d3r ´dt ´G(r¯r¯ ´,tt ´)f(r¯ ´,t ´)

mit

#G(r¯r¯ ´,tt ´)=δ(r¯r¯ ´)δ(tt ´)

Vergleiche: Elektrostatik:

ΔΦ(r¯)=1ε0ρ(r¯)

Fourier- Trafo:

Δ1:=ĜΦ̂(k¯)=Ĝρ̂Ĝ=1ε0k2

Rück- Trafo: es folgt schließlich:

Φ(r¯)=R3d3r ´G(r¯r¯ ´)ρ(r¯ ´)

mit

G(r¯r¯ ´)=14πε01|r¯r¯ ´|ΔG(r¯r¯ ´)=1ε0δ(r¯r¯ ´)

Kausalitätsbedingung:

G(r¯r¯ ´,tt ´)=0

für t<t´

Somit kann

u(r¯,t) nur von f(r¯ ´,t ´) mit t´ < t beeinflusst werden

Fourier- Transformation:

f(r¯,t)=1(2π)2R3d3qdωf̂(q¯,ω)ei(q¯r¯ωt)f̂(q¯,ω)=1(2π)2R3d3rdtf(r¯,t)ei(q¯r¯ωt)

Ebenso:

u(r¯,t)=1(2π)2R3d3qdωû(q¯,ω)ei(q¯r¯ωt)#u(r¯,t)=1(2π)2R3d3qdωû(q¯,ω)#ei(q¯r¯ωt)#ei(q¯r¯ωt)=(q2ω2c2)ei(q¯r¯ωt)

Aber es gilt:

#u(r¯,t)=1(2π)2R3d3qdωf̂(q¯,ω)ei(q¯r¯ωt)(q2ω2c2)û(q¯,ω)=f̂(q¯,ω)û(q¯,ω)=f̂(q¯,ω)(q2ω2c2)Ĝ=1(q2ω2c2)

Rücktransformation:

u(r¯,t)=1(2π)4R3d3qdωei(q¯r¯ωt)(q2ω2c2)R3d3r ´dt ´f(r¯ ´,t ´)ei(q¯r¯ωt)u(r¯,t)=R3d3r ´dt ´{1(2π)4R3d3qdωeiq¯(r¯r¯ ´)iω(tt ´)(q2ω2c2)}f(r¯ ´,t ´)1(2π)4R3d3qdωeiq¯(r¯r¯ ´)iω(tt ´)(q2ω2c2)=G(r¯r¯ ´,tt ´)

Dieses Integral hat jedoch 2 Polstellen im Integrationsbereich. Es kann nur durch Anwendung des Residuensatz (komplexe Integration) gelöst werden.

Berechnung der Greens- Funktion durch komplexe Integration

für ω=±cq gibt es Polstellen. Die Greensche Funktion wird eindeutig, indem der Integrationsweg um die Pole herum festgelegt wird:


Der obere Integrationsweg wird durch τ<0 charakterisiert, der untere Integrationsweg durch τ>0 . Dabei: τ=tt ´

Das Integral über den Halbkreis:

Oberer Halbkreis: τ<0

ω=Reiϕ0ϕπdω=Reiϕidϕ|eiωτ|=eRsinϕτsinϕ>0τ<0limReRsinϕτ=0

Unterer Halbkreis: τ>0

ω=Reiϕπϕ2πdω=Reiϕidϕ|eiωτ|=eRsinϕτsinϕ<0τ>0limReRsinϕτ=0

Somit verschwinden die Beiträge aus den Kreisbögen und wir können für das problematische Integral schreiben:

Γ(q¯,τ):=dωeiωτ(q2ω2c2)=Cdωeiωτ(q2ω2c2)=2πiPoleReseiωτ(q2ω2c2)

( Residuensatz)

Für τ<0 liegen jedoch gar keine Pole im Integrationsgebiet C

Γ(q¯,τ)=0G(r¯r¯ ´,tt ´)=0:=G(s¯,τ)=0

für t<t´

Dies ist die Kausalitätsbedingung.

Für τ>0

Γ(q¯,τ)=2πiω=±cqReseiωτ1c2(ωcq)(ω+cq)

Das Minuszeichen kommt daher, dass der Umlauf im mathematisch negativen Sinn erfolgt:

Cdzf(z)=2πiPoleResf(z) ,

falls das Ringintegral gegen den Uhrzeigersinn durchlaufen wird. Hier jedoch wird es im Uhrzeigersinn durchlaufen !

Γ(q¯,τ)=2πic2(eicqτ2cq+eicqτ2cq)

G(s¯,τ)=c(2π)3R3d3qeiq¯s¯(eicqτeicqτ2iq)

Die Auswertung der Greensfunktion muss in Kugelkoordinaten erfolgen:

d3q=q2dqsinϑdϑdϕq¯s¯=qscosϑG(s¯,τ)=c(2π)30dqq(eicqτeicqτ2i)11dcosϑeiqscosϑ02πdϕ11dcosϑeiqscosϑ=eiqseiqsiqsξ:=cqG(s¯,τ)=c2(2π)2s0dξ{ei(τsc)ξ+ei(τsc)ξei(τ+sc)ξei(τ+sc)ξ}G(s¯,τ)=c4πs0dξ{δ(τsc)δ(τ+sc)}δ(τ+sc)=0fu¨r τ>0

Also lautet das Ergebnis:

G(r¯r¯ ´,tt ´)={14π|r¯r¯ ´|δ(tt ´|r¯r¯ ´|c)0t<t ´ t>t ´

Retardierte Greensfunktion (kausal)

Physikalische Interpretation

G(r¯r¯ ´,tt ´) ist das Potenzial Φ(r¯,t) , das von einer punktförmigen Ladungsdichte

ρε0=δ(r¯r¯ ´)δ(tt ´)

am Punkt r¯ ´ zur Zeit t´ erzeugt wird.

Die Eigenschaften:

Nebenbemerkung:

Für den Integrationsweg

Oberer Halbkreis: τ<0

Unterer Halbkreis: τ>0

erhält man die avancierte Greensfunktion ( =0 für t > t´). Diese beschreibt eigentlich eine einlaufende Kugelwelle, welche sich an r¯ ´ zur zeit t´ zusammenzieht !

Mit

G(r¯,t)=d3r ´tdt ´14π|r¯r¯ ´|δ(tt ´|r¯r¯ ´|c)f(r¯ ´,t ´)=d3r ´14π|r¯r¯ ´|f(r¯ ´,t|r¯r¯ ´|c)

folgt dann für die retardierten Potenziale für beliebige Ladungs- und Stromverteilungen

ρ(r¯,t),j¯(r¯,t)

Φ(r¯,t)=14πε0d3r ´ρ(r¯ ´,t|r¯r¯ ´|c)|r¯r¯ ´|A¯(r¯,t)=μ ´04πd3r ´j¯(r¯ ´,t|r¯r¯ ´|c)|r¯r¯ ´|

Die retardierten Potenziale Φ(r¯,t),A¯(r¯,t) sind bestimmt durch r¯ ´ zu retardierten Zeiten t ´=t|r¯r¯ ´|c . Dies berücksichtigt die endliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von elektromagnetischen Wellen mit Lichtgeschwindigkeit c.